Privattraining, Akademien in Florida, Skiwochen mit ehemaligen Rennläufern, ein Pony und ein Tennisplatz am Haus: Die sportlichen Möglichkeiten einer wohlhabenden Kindheit sind wunderbar und tragen ein besonderes medizinisches Risiko. Kinder, die früh spezialisieren und hart trainieren, verletzen sich auf Weisen, wie erwachsene Sportler es nicht tun, weil sie wachsen, und die Verletzungen eines wachsenden Körpers sind andere.
Die Wachstumsfuge
Kinderknochen wachsen aus Knorpelfugen nahe den Enden, und bis diese sich schließen, bei Mädchen mit vierzehn bis sechzehn und bei Jungen mit sechzehn bis achtzehn, sind sie die schwächste Stelle des Skeletts. Wiederholte Last auf einer Wachstumsfuge erzeugt die klassischen Beschwerden des ehrgeizigen Kindes: Morbus Osgood-Schlatter am Knie bei Fußballern und Tennisspielerinnen, Morbus Sever an der Ferse bei Läufern und Turnerinnen, der Werferellenbogen, Ermüdungsbrüche in der Wirbelsäule bei Turnerinnen, Reiterinnen und Ruderern. Keines davon ist gefährlich, wenn es mit Ruhe behandelt wird. Alle werden chronisch, wenn das Kind weiterspielt, weil nächste Woche das Turnier ist.
Die Zehn-Stunden-Regel
Der Konsens der Kindersportmedizin ist einfach: Ein Kind sollte nicht mehr Stunden pro Woche trainieren, als es Jahre alt ist, nicht länger als acht Monate im Jahr in einer Sportart trainieren und einen vollen Tag die Woche sowie einen Monat im Jahr vom organisierten Sport freihaben. Ein Zehnjähriger: zehn Stunden. Eine Vierzehnjährige: vierzehn. Die meisten Akademien überschreiten das, und die meisten Eltern lassen es zu, weil der Trainer das Kind talentiert nennt. Der Trainer ist nicht der Arzt.
Die Sportmedizin
Sobald ein Kind mehr als acht Stunden die Woche trainiert oder auf Regionalebene antritt, braucht es eine Sportmedizinerin, die mit Jugendlichen arbeitet: nicht die Hausärztin, nicht die Vereinsphysiotherapie und nicht den Orthopäden, der die Skiknie der Eltern behandelt. Die guten machen eine jährliche Untersuchung von Wachstum, Beweglichkeit, muskulären Ungleichgewichten, Ernährung und Schlaf, sie kennen den Unterschied zwischen Muskelkater und Verletzung, und sie sagen dem Trainer Nein. Privatpraxen in München, Zürich, London und Barcelona haben solche Spezialistinnen; der Concierge-Kinderarzt kennt sie.
Der Kopf
Junge Sportler in Privatprogrammen tragen eine zweite Last: die Investition der Familie. Ein Kind, das weiß, dass die Tennisakademie 60.000 Euro im Jahr kostet, spielt mit einem Gewicht am Schläger. Die Warnzeichen sind dieselben wie bei allen Jugendlichen, Schlaf, Appetit, Stimmung, ein plötzlicher Wunsch aufzuhören, und die Antwort ist dieselbe: ein Gespräch, eine Psychologin, die den Sport kennt, und die Erlaubnis aufzuhören. Ein Kind, das mit vierzehn aufhören will und darf, spielt mit vierzig zum Vergnügen. Ein Kind, das nicht darf, hört oft mit achtzehn auf und rührt die Sportart nie wieder an.
Die Ausrüstung
Helme, die passen, Schuhe, die in dieser Saison passen, ein jährlich geprüfter Sattel, ein Schläger im richtigen Gewicht und ein Fahrrad in der richtigen Größe. Wohlhabende Kinder sind häufig genau dort unterausgestattet, wo es zählt, weil zum Hineinwachsen gekauft wurde. Das Kind wächst nach der Verletzung hinein.
Der Plan
Eine jährliche Sportuntersuchung, eine schriftliche Stundenregel, die der Trainer unterschrieben hat, ein freier Tag die Woche, eine zweite Sportart und eine Familie, die sagen kann, dass die Saison nicht zählt. Unser Familien-Vorsorgeplan setzt die Sportuntersuchung in den Kalender; der Rest ist ein Gespräch mit dem Trainer, das die meisten Eltern meiden und jedes Kind braucht.



